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Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Joh 6,37) – Zur Jahreslosung 2022

Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen; denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag. … Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. (Joh 6, 37-39; 44-45)

wer zu mir kommt – ich werde nicht abweisen

Die Jahreslosung für 2022 ist ein kurzer Satz. Aber der hat es in sich. Ich spüre darin zwei Bewegungen, die sich jeweils ausdrücken in den Satzteilen „wer zu mir kommt“ und „ich werde nicht abweisen“.

„wer zu mir kommt“: Da spricht jemand. Er spricht davon, dass andere zu ihm kommen. Eine Bewegung auf ihn hin. Der spricht, ist Jesus. Wer kommt zu ihm? Die Frage bleibt vorerst offen.

„ich werde nicht abweisen“: Er, Jesus, drückt etwas sehr Allgemeines, fast Absolutes aus: Ich werde nicht abweisen. Wen? Den oder die, die zu ihm kommen. Alle? Anscheinend alle, die kommen wollen.

Woher kommt dieses totale Angebot? Das zu klären hilft der Blick in den Zusammenhang dieses Satzes im 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Da ist die Rede von Gott, den Jesus „Vater“ nennt. Von sich selbst sagt Jesus, dass er von dort kommt, vom Vater, vom Himmel, von oben. Jesus ist Gottes „Wort“ für jeden Menschen, den Gott anspricht und der sich ansprechen lässt.

Da ist einerseits alles abhängig vom Schöpfer, von Gott, der dem Menschen, jedem Menschen entgegenkommt. Andererseits ist auch alles abhängig davon, ob dieser angesprochene Mensch antwortet, sich auf den Weg macht und eintritt durch die geöffnete Tür, die Jesus selber ist.

Alle werden Schüler Gottes sein.

Am Ende dieser Passage im Johannes-Evangelium steht ein unglaublich starker Satz: „Alle werden Schüler Gottes sein.“ Weder Jesus noch die Verfasser des Evangeliums haben diesen Satz erfunden. Der Grundgedanke stammt aus dem Buch Jeremia. Da steht im 31. Kapitel: „Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den HERRN!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen – Spruch des HERRN.“ Mit Jesus, in dem Gott zu uns spricht, ist für jeden Menschen: ob Frau oder Mann, ob Kind oder hochbetagt, für jede*n eine Unmittelbarkeit zu Gott gegeben, die durch nichts und niemanden mehr infrage gestellt werden darf. Das heißt auch: Niemand darf sich in der Gemeinschaft der Christen wichtigmachen, anderen den Blick verstellen, besserwissend auftreten oder gar zum Heiland aufspielen. Darauf dürfen wir uns berufen: jede*r. Und aus dieser Zusage der Nähe zu Gott lässt sich leben ein ganzes Jahr und länger.

Daniela Mohr-Braun
City-Kirche NAHeRAUM

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