3 / #frauenpredigen

Friede wohne in deinen Mauern, in deinen Häusern Geborgenheit! (Psalm 122)

Ich möchte denen, die den Krieg in der Ukraine antreiben, nicht das letzte Wort überlassen. Denn zu meinem Glauben gehört die Überzeugung: Christliche Religion und Gewalt gehen nicht zusammen! (Trotzdem gibt es auch aus christlicher Sicht das Recht zur Selbstverteidigung, aber das wäre das Thema einer anderen Predigt …)

In der letzten Zeit habe ich mich viel mit der Geschichte der Menschen beschäftigt, die in der Antike und im Frühmittelalter auf dem Boden unseres heutigen Europa gelebt haben. Eines ist mir dabei besonders aufgefallen: Solange hier Menschen leben, gibt es Gewalt und Kriege. Archäologische und historische Forschungen legen nahe, dass es z.B. auf dem Boden unseres heutigen Deutschland praktisch zu allen Zeiten Gewalt zwischen Menschengruppen gab. Friedenszeiten scheinen unter Menschen eher die Ausnahme als die Regel zu sein – auch wenn wir uns das hier in Deutschland kaum mehr vorstellen können, nachdem die Generation derer, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat, mehr und mehr verstirbt. So haben sich viele Deutsche (und damit meine ich auch mich selbst) in den vergangenen Jahrzehnten eine gewisse Naivität angewöhnt, als ob Krieg erstens weit weg und zweitens immer nur das Problem der anderen sei. Aber wenn wir den Kreis auf der Landkarte etwas weiter ziehen und auf Europa blicken, lautet die traurige Bilanz, dass Europa in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg viele bewaffnete Konflikte gesehen hat: In Irland, in Zypern, in Irland, auf dem Balkan, in Tschetschenien, in Bergkarabach, in Georgien und jetzt zuletzt in der Ukraine. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Namen wir diesem Krieg geben: bewaffneter Konflikt, bürgerkriegsähnliche Zustände oder neuerdings Spezialoperation. Ich möchte es beim Namen nennen dürfen, auch stellvertretend für die vielen russischen Bürger*innen, die zurzeit nicht sagen dürfen, was sie empfingen: Krieg ist Krieg.

In allen diesen Kriegen spielen auch Religionen und christliche Konfessionen eine traurige Rolle. Das finde ich dann am bittersten, wenn Christen gegen Christen Krieg führen. Ich kann es schwer aushalten, wenn Jesus Christus herhalten muss als Adressat für Gebete um Frieden, die in Wahrheit nur Gebete um Sieg sind. Sieg – im politischen und militärischen Sinne – ist keine christliche Kategorie. Der Jesus Christus, an den ich glaube, war kein Sieger, sondern das Opfer von menschlichen Interessen, Machtansprüchen, ungerechtem Urteil und Lust am grausamen Spiel. Wenn irgendwo, dann ist Jesus Christus zu allen Zeiten da zu finden und im Gebet anzurufen, wo Menschen anderen Menschen mit ihren Interessen, ihren Machtansprüchen, ihrem Urteil und ihrer Lust am grausamen Spiel zum Opfer fallen. Jesus Christus ist immer auf der Seite der Opfer. Ihn auf die Seite der Sieger dieser Welt zu stellen, bedeutet ihn zu verraten. Deshalb empört es mich auch, dass Kyrill I., der Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche in Moskau, versucht, den Angriffskrieg gegen die Ukraine christlich zu legitimieren. Ich finde, wenn er das tut, verrät er Jesus Christus und wird von orthodoxen, evangelischen und katholischen Bischöfen zu Recht scharf kritisiert. In dieser Situation zu Jesus Christus zu stehen, bedeutet ihn zu suchen bei den Menschen, die aus Anlass dieses Krieges Hilfe brauchen. Viele Menschen in unserem Land versuchen in diesem Sinne denen zu helfen, die vor dem Krieg in der Ukraine hierher geflohen sind: Lehrer*innen leisten ihren Beitrag zu einem stabilen Alltag für ukrainische Kinder und Jugendliche, Ehrenamtliche organisieren materielle Hilfe, christliche Gemeinden beten um Frieden und laden zu Treffen für Geflüchtete ein … Das alles macht noch keinen Frieden, es tröstet auch nicht über die Folgen des Krieges hinweg, aber es ist doch ein Beitrag, dass wir den Antreibern dieses Krieges nicht das letzte Wort überlassen.

Daniela Mohr-Braun

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