#Oktober | Ich will, dass du bist

„Ich will, dass du bist!“

Der Satz ist mir in letzter Zeit besonders wichtig geworden – auch weil er unser Motto für die Beauftragung zum Pastoralreferenten geworden ist. Das Zitat wird dem heiligen Augustinus zugeschrieben. Es hat mich nachdenklich gemacht. So spontan ich diesem Satz zugestimmt habe, so nachdenklich hat er mich bald auch gemacht:

So wird dieser Satz von Streit, Konflikten und Auseinandersetzungen immer wieder infrage gestellt und zum Teil negiert. So ist es zum Beispiel bei einem heftigen Streit – man will da in manchen Fällen mit der anderen Person nichts mehr zu tun haben. Dann wäre es einem am liebsten: Die Person existiert, aber lieber irgendwo anders.
Wenn sich beispielsweise Paare trennen – dann an dem gleichen Ort weiter zu leben, ist in den meisten Fällen keine gute Idee. So gibt es immer wieder Situationen im Leben, die einem die Grenzen des Satzes/der Zusage vor Augen führen.

Für mich bedeutet der Satz noch mehr als eine Zusage zu der Existenz eines anderen Menschen: Mit Firmlingen waren wir im Rahmen eines Erinnerungs-Projektes beim Haus des Erinnerns in Mainz und haben dort einen Workshop zum Thema „Wir und die Anderen“ besucht. Die Anderen – bei dem Workshop Geflüchtete – sind nach meiner Wahrnehmung und auch nach wissenschaftlichen Studien nicht immer „gewollt“ – zumindest nicht „hier“. Was kann da das Zitat von Augustinus bedeuten? Es kann bedeuten: jemandem wohlgesonnen zu begegnen, offen und unvoreingenommen dem fremden Menschen eine Chance zu geben. Augustinus definiert mit diesem Satz, was “zu lieben” heißt.

Ich möchte nicht naiv sein und glaube auch nicht, dass mit diesem Satz alle Probleme gelöst wären. Für mich bedeutet der Satz: mich überraschen lassen zu wollen. Er bedeutet für mich auch: das Anders-Sein dessen, was man glaubt bereits verstanden zu haben, zulassen zu können. Nicht an jeder Stelle des Lebens zu meinen, man wüsste schon, worum es geht.

Hier liegt für mich auch eine spirituelle Dimension des Satzes: „Ich will, dass du bist!“, und ich will, dass du auch gut sein kannst, ich akzeptiere dich mit deinen Eigenarten und versuche auch jenseits meiner Voreinstellungen, dir auf menschlicher Ebene neu zu begegnen.

Dieser Satz, so glaube ich, ist jedem zugesagt: von Gott. Anders formuliert:

„Gott hat an dir Gefallen gefunden!“
„Er*Sie interessiert sich für dich und möchte dich kennenlernen – möchte dass du gut leben kannst!“
„Ich will, dass du bist.“ – So erfahre ich auch immer wieder Gottes Zusage.

Matthias Baden, Dekanat Bad Kreuznach

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